Historie

Die Gründung  1510 ( ? )

Die Entstehung der Bopparder Schützen liegt in der Tiefe der Zeit. Aufzeichnungen darüber gibt es wahrscheinlich keine mehr. Die älteste schriftliche Erwähnung, die der Bopparder Bruderschaft vorliegt, reicht bis in das Jahr 1510 zurück, das daher als Gründungsjahr festgehalten wird. Historiker vermuten sogar, dass die Bopparder Schützen eigentlich schon ein weit älteres Jubiläum hätten feiern können, allerdings ohne sich auf ein bestimmtes Datum festzulegen.

Wenn nämlich auch in Boppard, wie in anderen Städten, den Schützen die Bewachung der Stadtmauern oblag, so könnte man gar bis ins 12. Jahrhundert zurückgehen. So wird zum Beispiel im benachbarten St. Goar 1344 eine Armbrustschützen-Kompanie erwähnt. Die älteste vorliegende Urkunde der Bopparder spricht bereits von einer St.-Sebastianus -Schützengilde.

Damals regierte Kaiser Maximilian I., der, ebenso wie die Fürsten, seine Macht zu stärken suchte. Auch Boppard, die ehemals Freie Reichsstadt, war Opfer der üblichen Ränkespiele geworden und durch Verpfändung der Freiheit beraubt. Um dem Übermut der Fürsten Einhalt zu gebieten und Übergriffen einfallender fremder Horden begegnen zu können, rekrutierten sich in vielen Städten Schützengilden, die mit großem persönlichen Einsatz zu Werke gingen. In alten Statuten ist nachzulesen, dass sogar regelmäßig exerziert wurde, um dadurch zum Schutz der Bürger besser gewappnet zu sein.

Die heutige Uniform der Bopparder Schützengesellschaft entspricht im Wesentlichen noch der Form der St.-Sebastianus-Schützengilde. Es erstaunt immer wieder, wenn man die Mitgliederstatistik von damals liest und mit heutigen Zahlen vergleicht, die St.-Sebastianus-Schützengilde war der größte Verein weit und breit. Man hielt es für eine Ehre und geistlichen Trost, eingeschriebenes Mitglied der Bruderschaft zu sein. Zucht, Ordnung und vor allem überwachte Moral, eingebettet in ein Gefühl der subjektiven Sicherheit, gaben vielen Menschen Zuversicht und gar Zufluchtsort, sowohl geistiger als auch körperlicher Art.

Die Mitglieder kamen nicht nur aus Boppard, das Einzugsgebiet reichte bis Oberwesel über den Hunsrück zur Mosel und auch auf die andere Rheinseite. Später wurden sogar die Ehefrauen automatisch mit in die Gilde aufgenommen.

Die Aufzeichnungen der St.-Sebastianus-Schützengilde enden im Jahre 1833, wo ein Joh. Traab, Schiffbauer, als Führer der Bruderschaft genannt wird. Protokolle, öffentliche Auftritte und sonstige Aktivitäten verloren sich oder konnten nicht mehr ausgemacht werden.

Die Wiedergründung 1848

Boppard, Stadt des Römischen Reiches

Bei vielen ehemaligen Mitgliedern blieben Geist und Tradition lebendig. Die politischen Wirren taten vielleicht das ihre dazu, und so war es schließlich nur eine Frage der Zeit, wann der Funke endlich zünden würde.

Im Jahre der wiedererrungenen Bürgerfreiheit war es dann soweit: Am 2. Juni 1848 wurde der Schützenverein wieder gegründet. Es entstand die Bopparder Schützengesellschaft 1510/1848 e.V., vornehmlich von Mitgliedern der damaligen Bürgerwehr (städtische Wachtruppe, entstanden durch Zusammenschluss Bopparder Bürger zum Zwecke der Aufrechterhaltung der Ordnung und der Abwehr von Bedrohungen) ins Leben gerufen. Mit neuer Kraft ging man ans Werk, gab sich im gleichen Jahr eine Satzung (Statuten), die dann am 19. August 1849 festgeschrieben wurde, hielt Schießtage ab und nahm regen Anteil am Leben und der Gesellschaft der Stadt.

Nachfolgende Persönlichkeiten haben die Schützengesellschaft wiedergegründet
(am 14. Juni 1848 war der erste Schießtag im Bruder-Michels-Tal)

Bürgermeister Syrée, EhrengerichtspräsidentNic. Fischer, Bäcker
Dr. Carl Heusner, Kreisphysikus und HauptmannDr. Isaac Feist
Wilh. Schlieben, GerichtsvollzieherPaul Frey, Schlosser
Valentin Oppenhäuser, AdjunktMath. Gerdum, Uhrmacher
Gerhard Mies, Rendant als VorstandAnt. Geswein, Brauer und Wirt
Math. AckermannJoh. Hammel, Schneider
Casp. Alt, MaurermeisterJoh. Henrich jr., Handelsmann
Carl Arlt, SchreinermeisterJac. Henrich, Schreiner
Nicolaus Closmann, WirtJac. Hermann, Schlosser
Jacob Clotten, BäckerGeorg Hilgert, Zimmermann
Philippi, PrivatmannJos. Köckner, Schneider
Heinrich Köhler, ZuckerbäckerM.S. Müller, Sattler
Lud. Kray, BäckerJoh. Müller, Bäcker
Adam Krementz, MetzgerP. Rausch, Steueraufseher
C.A. Lange, MöbelschreinerWilh. Raeder, Rechts-Praktikant
Joh. Staaden, KaufmannJos. Schaaf, Tapezierer
Alex Weller, KappenmacherJac. Schaab, Zimmermann
Joh. Zell, SchieferdeckerJac. Schuster, Uhrmacher und Händler
Ant. Dorweiler, SchifferM. Sternberg, Handelsmann
Wagner, FörsterNic. Stumm, Küfer
Theodor HenrichWilh. Wachter, Weinhändler
Adam PreißerWilh. Wirz, Gerber und Wirt
Hermann Mallmann, WirtJ. Thillmann, Gerber
Heinr. May, KaufmannN. Stang, Schlosser
Val. Müller, KaufmannHub. Andreae
Nic. Müller, SattlerJ. Martin
Nic. Dores, SchuhmacherHeinr. Kuhs, Metzger
Joh. DorweilerJohann Lauer, Schlosser

Neben den vielen Aktivitäten wurden auch wieder regelmäßig Schützenkönige ermittelt. Diese mussten der Bruderschaft, wie schon früher, jeweils ein Schild (das Königssilber) aus Silber stiften. Dieses Königssilber ist ab 1850 zum größten Teil noch im Besitz der Schützengesellschaft, worauf diese mit Recht sehr stolz ist. Die Schilde vor 1833 wurden von den Truppen der Franzosen beschlagnahmt und tauchten nie mehr auf.

Am 29. Juni 1852 begleiteten die Bopparder Schützen Seine Majestät König Friedrich Wilhelm IV. zur Einweihung der evangelischen Kirche und danach zum Hause St. Martin, welches dem weltbekannten Wissenschaftler und Arzt Philipp Franz von Siebold gehörte. Der König speiste mit von Siebold und ließ sich ausführlich über Japan berichten.

Vom Jahre 1854 an nahm die Schützengesellschaft die alte Tradition wieder auf, am Fronleichnamstag das Allerheiligste und die Prozession zu begleiten; die Schützen stellten sogar die Musik. Es kamen dann die unruhigen Zeiten vor der Gründung des Deutschen Reiches. Daher wurde am 18. Juni 1866 beschlossen, für die Stadt eine Schutzwehr zu bilden zur Sicherung der Ruhe und des Eigentums der Einwohner durch regelmäßige Patrouillen. Damit dafür ausreichend Schützen zur Verfügung standen, wurde bei Neuaufnahmen auf die Aufnahmegebühr verzichtet.

Das normale Schützenleben ging aber auch weiter: Es wurden Feste gefeiert, Umzüge fanden statt, es wurde eine Sänger-Gruppe gegründet, Schützenkönige ausgeschossen, Theaterstücke aufgeführt und vieles mehr. Als 1867 die neue Synagoge in Boppard in der Binger Gasse eingeweiht wurde, begleitete eine große Abordnung der Schützengesellschaft die Torarollen auf dem Wege dorthin.

Im Laufe der fast fünf Jahrhunderte musste man auch zwangsläufig mehrmals die Schießplätze verlegen, bis man schließlich im Schlaningtal eine Bleibe auf Dauer gefunden hatte, die dann 1960 in eigenen Besitz überging. Auch heute noch wird versucht, hauptsächlich in Eigenleistung, das Vorhandene ständig zu verbessern.

1908 wurde aus Anlass des 60-jährigen Jubiläums nach der Wiedergründung 1848 eine neue Fahne eingeweiht, die leider nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Wege über die Beschlagnahmung verloren ging. Die dann allerdings schnell wieder angeschaffte neue Fahne trug Fähnrich Josef Korneli über einen Zeitraum von über 40 Jahre ohne Fehl und Tadel; der derzeitige Fähnrich ist Schützenbruder Hans Walter.

Das erste Schützenfest nach dem Kriege wurde 1951 im Hotel „Rheinterrasse“, dem heutigen „Ebertor“, gefeiert. 1956 wurde der Schützengesellschaft eine Jungschützenabteilung angegliedert, deren „spiritus rector“ der Bundesmeister General Wilhelm Steffen war. 1973 tat man einen weiteren wichtigen Schritt und gründete eine Damenriege für aktive und inaktive Schützenschwestern. Vorsitzende wurde Marianne Birkenbach, die dieses schöne, aber auch verantwortungsvolle Amt 25 Jahre inne hatte. Für diese Leistung bekam sie vom Bezirk „General Steffen“ einen Orden, der bisher ausschließlich an Männer verliehen worden war.

Die Bopparder Schützen beim 500-jährigen Jubiläumsfest im Jahre 2010.

Die Zuordnung

Bopparder Schützengesellschaft 1510/1848 e.V. im Bezirksverband „General Steffen“ im Diözesanverband Trier im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften

Nach Ehrenbreitstein

Die Revolution von 1848 war zwar politisch erfolglos verlaufen, aber sie hat in einem unerhörten Ausmaß das deutsche Volk in allen seinen Gliedern ergriffen, wachgerufen und neue Kräfte aktiviert. Auch das Schützenwesen, eine noch im Mittelalter wurzelnde Bürgergemeinschaft, stand 1848 den Freiheitstendenzen nicht fern und hat an der allgemeinen Begeisterung Anteil genommen. Sehr viele rheinische Gesellschaften entstanden 1848, gründeten sich neu oder gaben sich neue Statuten. So auch die Bopparder Schützengesellschaft, die ihre neuen Statuten am 19. August 1849 in Kraft setzte.

Die Ehrenbreitsteiner Schützen, die sich bereits 1520 gegründet hatten, folgten dem Zeitgeist und luden 30 Schützengesellschaften der Umgebung zu einem Schützenverbrüderungsfest ein, das am 20. August 1848 stattfand. Die Stadt war festlich geschmückt, und die ankommenden Vereine wurden an den Ortseingängen mit Musik empfangen. Die Schützen aus Boppard und Güls legten mit ihren geschmückten Kähnen am Ufer an. Insgesamt erschienen zirka 550 Schützen in prächtigen Uniformen. Im Jahr 1852 luden die Ehrenbreitsteiner nochmals zu einer Jubiläumsveranstaltung (13. Juni 1852) ein, zu der auch die Bopparder wieder eine Abordnung schickten. Als sichtbares Zeichen der beiderseitigen Freundschaft erhielten die Bopparder ein kostbares Silberschild, das an das Bopparder „Königssilber“ erinnerte und jetzt noch hoch in Ehren gehalten wird.

Die jüngere Vergangenheit

Alljährlich im Januar feiert die Bopparder Schützengesellschaft ihr Patronatsfest, das des Heiligen Sebastianus. In Gala-Uniform, begleitet durch zwei Fahnenabordnungen, nimmt die Schützenfamilie am feierlichen Hochamt teil, wo man der Verstorbenen der Bruderschaft gedenkt und für eine friedvolle Zukunft der Lebenden betet. Danach findet aus alter Tradition ein kleiner Umtrunk statt, am Nachmittag dann die Generalversammlung.

Es kann festgestellt werden, dass die Schützengesellschaft ihre Aufgaben voll erfüllt. Es wird im Verein und durch den Verein der gesellschaftlichen Pflicht entsprochen, getreu dem Motto „Glaube, Sitte, Heimat“. Aus sportlicher Sicht kann man ebenfalls zufrieden sein, was Erfolge auch auf höheren Ebenen beweisen. Durch erfolgreiches Management steht der Verein auf einer gesunden finanziellen Basis. Durch sparsame Ausgabenpolitik und erhebliche Eigenleistungen in allen Bereichen kann der Standard gehalten werden, ohne dass Beitragserhöhungen zwingend notwendig wären. Auch ist es erfreulich festzustellen, dass der Mitgliederbestand nach Zeiten der Stagnation nun bereits wieder im dritten Jahr gestiegen ist. Die Damen und Herren, die zur Zeit die Verantwortung in der Schützengesellschaft übernommen haben, garantieren dafür, dass einerseits an Altbewährtem festgehalten wird und andererseits gewährleistet ist, dass der Zeitgeist erkannt wird, also mit der Zeit gegangen wird. Das Erbe der Altvorderen darf nicht unbedacht verspielt und es darf nicht ständig nach unnötiger Innovation gestrebt werden. Es müssen Strukturen bewahrt werden, und man muss kultur- und gesellschaftspolitisch mit Bedacht agieren.

Die Uniform

Als im Jahre 1510 in Boppard die St.-Sebastianus-Schützengilde gegründet wurde und sich dadurch die Frage der Gewandung stellte, durfte man einerseits dem Rock der Soldaten des Landesfürsten nicht zu ähnlich sein, musste sich aber andererseits ein durchaus „halbkriegerisches“ Aussehen verleihen, waren doch damals die Aufgaben der Schützen nicht nur sportlicher Art.

Vorrangig galt es, die Bopparder Bevölkerung zu schützen, zum einen vor dem Übermut der Landesfürsten und zum anderen vor Übergriffen einfallender fremder Horden. Viele Schützenvereine wurden eigens zum Zwecke der Verteidigung der jeweiligen Stadtmauern ins Leben gerufen. NOMEN EST OMEN = Schütze – schützen – schießen, erst später sportliches Schießen.

Die heutige Uniform der Bopparder Schützengesellschaft 1510/1848 entspricht im Wesentlichen noch der damaligen Form. Die Erstausstattung sah anno 1510 jedoch schwarze Knöpfe, Samtkragen und steifen Hut mit langer Hahnenfeder vor. Erst im Jahre 1861 beschloss der Vorstand, dass in Zukunft andere Joppen und Hüte zu tragen seien. Dieser Beschluss ließ sich bei den Schützen allerdings nur auf die Hüte umsetzen, da man sich in den Jahrhunderten an seine Uniformjacken gewöhnt hatte und auch die Kosten für eine Neuanschaffung kaum einer tragen wollte. So blieb den Bopparder Schützen die traditionelle Bekleidung erhalten. Eine Änderung hatte man im Laufe der Zeit doch vorgenommen: Die Hahnen-Federn wurden durch Birkhahn-Federn ersetzt. Der Grund ist dem Chronisten nicht bekannt. Es kann nur vermutet werden, dass man sich vielleicht gegenüber anderen Bruderschaften mehr unterscheiden wollte oder aber, es war einfach der Sinn nach etwas besonderem. Es wurde dann im Laufe der Jahrzehnte immer schwieriger, geeignete Birkhahn- Federn zu erhalten, so dass sich an den Hüten oft die merkwürdigsten Gebilde befanden. Sieht man auf alten Bildern noch viele herrliche Exemplare, so wurde nach dem Zweiten Weltkrieg der Erwerb immer problematischer. Vor kurzer Zeit konnte man erfreulicherweise durch persönlichen Kontakt eines Schützenbruders mit einem Jäger und Revierinhaber in den italienischen Dolomiten eine neue Quelle erschließen. Obwohl im besagten Forst die Population der Birkhähne sehr stark ist und der Inhaber seine Tiere hegt und pflegt, so werden jährlich nur einige ältere Hähne erlegt. Hier besteht nun für die Bopparder Schützen die Möglichkeit, gelegentlich an die begehrten Federn zu kommen.

Zur Geschichte der Uniform nachstehend noch mehr interessante Informationen: http://www.grosser-generalstab.de/tafeln/knoetel.html. Wenn man die vielen Abbildungen betrachtet, sieht man folgendes: Unsere Uniform ist eine typische Militäruniform der Zeit um 1850. Für die Zeit der Neugründung 1848 hat man sogar einen ziemlich modernen Schnitt gewählt, weil wenige Jahre vorher noch Zweireiheruniformen üblich waren. In den 20er Jahren war der Schoß „heruntergerutscht”, vorher schloss die Uniform noch mit dem Koppel ab. Uniformen des 18. Jahrhunderts waren z. B. den heutigen Uniformen der Roten Funken in Köln sehr ähnlich. Uniformen des 17. Jahrhunderts ähneln denen, die man zum Beispiel in diversen Filmen „Die drei Musketiere” sehen kann.

Hier einige beispielhafte Abbildungen:

http://www.grosser-generalstab.de/tafeln/knoe02/knoe02_20.html

http://www.grosser-generalstab.de/tafeln/knoe03/knoe03_50.html

http://www.grosser-generalstab.de/tafeln/knoe10/knoe10_02.html

http://www.grosser-generalstab.de/tafeln/knoe15/knoe15_03.html

http://www.grosser-generalstab.de/tafeln/knoe19/knoe19_03.html

http://www.grosser-generalstab.de/tafeln/knoe19/knoe19_12.html

http://www.grosser-generalstab.de/tafeln/knoe01/knoe01_03.html

http://www.grosser-generalstab.de/tafeln/knoe19/knoe19_23.html

http://www.grosser-generalstab.de/tafeln/knoe18/knoe18_53.html

http://www.grosser-generalstab.de/tafeln/knoe14/knoe14_47.html

http://www.grosser-generalstab.de/tafeln/knoe13/knoe13_09.html

http://www.grosser-generalstab.de/tafeln/knoe11/knoe11_01.html

http://www.grosser-generalstab.de/tafeln/knoe18/knoe18_53.html
Uniformen des 16. Jahrhunderts sieht man auf einigen Abbildungen der Google-Bildersuche “Conquistadores”. Diese spanischen Uniformen sind ein Beispiel für Uniformen dieser Zeit. Die Uniformen der Schweizergarde des Vatikan gehen auch auf Entwürfe des 16. Jahrhunderts zurück, sind aber so bunt, wie es damals für Leibwachen von Herrschern üblich war. Die normalen Soldaten waren weniger farbenfroh uniformiert.

http://images.google.de/images?hl=de&q=conquistadores&btnG=Bilder-Suche

Für unsere Uniform kann man anhand der Abbildungen also schön zeigen: Wir haben eine für das Jahr 1848 ausgesprochen moderne Uniform. Aus dem Jahr 1510 kann die Uniform nicht stammen, weil damals völlig andere Uniformen üblich waren. Und an die letzte Uniform der alten Schützengilde kann unsere Uniform auch nicht angelehnt sein, weil in den 1830er Jahren noch Zweireiher üblich waren und die Unterschiede zu noch älteren möglichen Vorläufern immer größer werden.

Die Farbauswahl der Hosen ist ebenfalls an die im 19. Jahrhundert üblichen Farben Weiß und Schwarz angepasst. Der Hut ist ein Design der Mitte des 19. Jahrhunderts. Lediglich zur Feder kann man keine Aussagen anhand der Bilder der o.g. Internetseite machen.

Wir können stolz auf eine so schöne und für die Zeit der Wiedergründung so moderne Uniform sein. Sie zeigt, wie selbstbewusst die Schützen damals waren: Da legten sich Bürger eine echte, den Schützen des Militärs sehr ähnliche Uniform zu und zeigten damit, dass sie ihre bürgerlichen Freiheiten zu verteidigen bereit waren.

Der Schießplatz

In den politischen Wirren und Irritationen vor 1848 war es um die St.-Sebastianus-Schützengilde aus Boppard ruhig geworden. Von 1833 ab verlieren sich die Spuren des bis dahin sehr rührigen Vereins. Man liest nichts mehr von Auftritten, Schießübungen und dergleichen.

Am 2. Juni 1848, also im Jahr der wiedergewonnenen Bürgerfreiheit, erfolgte jedoch die Wiedergründung unter der Bezeichnung “ Bopparder Schützengesellschaft 1510/1848″. Hauptsächlich waren es die Mitglieder der damaligen Bürgerwehr (städtische Wachtruppe, entstanden durch Zusammenschluss Bopparder Bürger zum Zwecke der Aufrechterhaltung der Ordnung und der Abwehr von Bedrohungen), die einen Neuanfang betrieben. Schon am 14. Juni 1848 wurde der erste Schießtag abgehalten.

Als geeignetes Gelände hatte man das Bruder-Michels-Tal auserkoren. Der beste Schütze an diesem Tage war Hubert Andreae, welcher mit 5 Schuß 30 Ringe schoss, für damals eine gute Leistung. Zehn Jahre konnte nun der Schießplatz für alle möglichen Aktivitäten genutzt werden. Marsch- und Wachpostenübungen allerdings fanden auf anderen Plätzen, wie zum Beispiel 1854 unter Hauptmann Dr. Carl Heusner am Mühlbad, statt.

Im Februar 1857 wurde zum ersten Mal an Fastnacht ein Schützenball bei Jac. Schuster abgehalten. Am 19. Juni 1857 wurde dann die Wirtschaft auf dem Schießplatz und im Hause Marxburg (ab 11. Juni 1859 „Zur alten Burg“) Herm. Mallmann übertragen. Wegen des Baues der rheinischen Eisenbahn mussten die Schützen ihren Schießplatz 1858 abtreten und bekamen dafür 60 Taler.

Vorübergehend wurde Stangs Garten in der Hohl genutzt, den man allerdings schon 1859 wieder aufgeben musste, da die Ortspolizei Beanstandungen hatte, die man nicht ausräumen konnte. Am 16. Juli schuf man ein neues Provisorium, man zog ins St.-Martins-Feld, das man im Laufe der Jahre schon einmal genutzt hatte, damit der Schießbetrieb nicht unnötig lange unterbrochen sein sollte.

Zum Erwerb und Ausbau des neuen Schießplatzes im St.-Martins-Feld wurde eine Kommission gewählt, die den Ankauf eines Grundstückes von Jacob Schuster und eines danebenliegenden von Mathias Josef Müller durchführte, Pläne zum Ausbau des Platzes und eines Hauses in Auftrag gab und sich dann um Geld zur Verwirklichung bemühte. Außer der Verwendung der Kassenüberschüsse wurde das Geld durch Aktien unter gegenseitiger Haftung aller Vereinsmitglieder unter den Mitgliedern selbst aufgebracht.

In den Jahren 1859 bis 1861 wurde der Schießplatz errichtet, am 3. Mai 1861 waren Bauten und Anlagen auf dem neuen Gelände fertig gestellt. Man nutzte die Immobilie nun bis 1869 und hatte durch sie eine feste und ansehnliche Bleibe. Später benannte man sogar den Weg dorthin offiziell als „Schützenstraße“, der Name ist bis heute geblieben.

Das beschaffte Kapital, das nicht durch Aktien gedeckt war, wurde leider 1869 von den Gläubigern zurückgefordert. Die jährlichen Zinszahlungen, die der Verein aus eigener Kasse zu leisten hatte, waren ebenfalls kaum noch tragbar. Eine Kommission wurde daher gebildet, die das Gelände einschließlich der Baulichkeiten veräußern sollte. Den Zuschlag erhielt schließlich am 16.´April 1869 Josef Stumm für 1.300 preußische Taler mit der Maßgabe, daß die Schützen weiterhin alles unentgeltlich nutzen durften.

Zehn Jahre später, am 19. März 1879, wurde dann die Erweiterung der Schießbahn auf Kosten der Gesellschaft beschlossen, allerdings mit der Auflage, dass die Schützengesellschaft dem Besitzer auch weiterhin bis zum Jahre 1895 keine Nutzungsgebühren zu entrichten habe.

1886 wurde dann fast ein Schicksalsjahr für die Schützen, da sie durch den Bürgermeister der Stadt Boppard aufgefordert wurden, zur Erhöhung der Sicherheit große Änderungen am Schießplatz vorzunehmen. Der Eigentümer und Wirt weigerte sich dies zu tun, der Verein hatte kein Geld. So ging die Ära „St.-Martins-Feld” zu Ende.

Die Bopparder Schützengesellschaft 1510/1848 gab den Kampf um ihr Bestehen jedoch nicht auf, man wusste auch hier Rat und schritt postwendend zur Tat. Die Mitglieder zeichneten wieder Schuldscheine (es wurden Aktien per 25 Mark angeboten) und ermöglichten so eine Kapitalbeschaffung zum Zwecke des Erwerbes eines eigenen Geländes. Im Kalmuttal wurden die benötigten Grundstücke gekauft und als Schießplatz mit all seinen Bedürfnissen hergerichtet. Am 17. August 1886 wurde dann der Vertrag für die Verpachtung des Platzes und der Wirtschaft mit dem Mitglied Heinrich Noll abgeschlossen.

Das Vereinsleben blühte jetzt richtig auf, sogar Theateraufführungen wurden im Kalmuttal abgehalten. Zwischenzeitlich wechselte der Pächter; am 1. Oktober 1889 wurde der Schießplatz an Benedikt Fischer verpachtet. Wegen der besonders schönen Lage der Anlage und der Rührigkeit der Verantwortlichen entwickelte sich ein Vereinsleben voller Aktivitäten.

Dies dauerte 42 Jahre lang bis hin zum Jahr 1928. Da der Platz nicht mehr den gestiegenen Anforderungen des Schießsportes entsprach, wurde er an Jakob Nickenig verkauft, dessen Nachfahren heute noch das weithin bekannte Lokal „Zum Schoppenstecher“ betreiben. Es war ein Abschied für immer.

Zwischendurch, vor allem auch nach dem Zweiten Weltkrieg, stellten Schützenbrüder und auch Gasthäuser, die die Möglichkeiten dafür hatten, bei Bedarf Räume auf privater Basis zum Üben zur Verfügung. Im Schlaningtal, damals „ganz weit draußen“, wurden 1930 Wiesen angepachtet, auf denen man eine gebrauchte Holzhalle errichtete und Schießbahnen anlegte. Das war der Anfang des heutigen Schützengeländes.

Während man zur Zeit 10 m, 25 m und 50 m weit schießen kann, hatte man damals auch 175 m- und später 100 m-Bahnen. Die Anlage wurde im Laufe der Zeit immer weiter ausgebaut und verbessert. Besonderer Mühen bedurfte es, nach den Kriegswirren alles wieder herzurichten. Dies ist durch den selbstlosen Einsatz der Schützenfamilie bestens gelungen. 1960 konnte die Bopparder Schützengesellschaft 1510/1848 Grund und Boden käuflich erwerben.

Da man nun mit Eigentum planen konnte, standen große Veränderungen ins Haus. Schäden und Reparaturen wurden immer teurer, so dass man sich entschloss, das alte Holzhaus abzureißen und ein neues aus Stein zu bauen. Von nun an wurde ständig verbessert, vergrößert und nach den gesetzlichen Vorschriften sicherer gemacht. Die Gesellschaft verfügt zur Zeit über vier Luftgewehr- und Luftpistolenbahnen (indoor), über fünf Faustfeuerwaffenbahnen einschließlich einer Duellanlage für sportliches Schießen und über vier KK-Gewehr-Bahnen. Die Außenanlagen wurden besucherfreundlicher gestaltet, wobei zusätzlich eine schöne Terrasse im Sommer zum Verweilen einlädt. Die Bopparder Öffentlichkeit hat den Schützenplatz gut angenommen, was der rege Zuspruch bei Veranstaltungen zum Ausdruck bringt. Hierüber freut sich die Schützenfamilie ganz besonders. Durch ständigen Einsatz der Jungschützen, Schützenschwestern und Schützen wird versucht, das Eigentum zu erhalten, zu verschönern und noch attraktiver zu machen.

Königsschild von 1860 aufgetaucht

Die amtierenden Schützenkönige der Bopparder Schützengesellschaft 1510/1848 müssen, wie in vielen anderen Bruderschaften auch, nach Ablauf ihrer Regentschaft dem Verein ein Schild, meistens aus Silber, zur bleibenden Erinnerung stiften. Auf diesem so genannten Königs-Silber sind u. a. Name des Amtsinhabers und Datum der Inthronisation der Majestät eingraviert. Dieser Brauch, vor allem im Rheinland ausgeübt, ist historische Tradition und dokumentiert so jeweils ein Stück Zeitgeschichte.

Das Königs-Silber von der Gründung bis 1833, das noch vorhanden war, wurde von den Truppen der Franzosen beschlagnahmt und tauchte nie mehr auf. An dem alten Brauch, ein Silber-Schild zustiften, wurde auch nach der Wiedergründung 1848 weiter festgehalten. Die Bopparder Schützengesellschaft 1510/1848 ist in der glücklichen Lage, und hierauf ist man besonders stolz, dass sie ab 1850 fast alle Exemplare noch in ihrem Besitz hat. Das älteste Schild, das ihr jedoch fehlte, war das aus dem Jahre 1860. So kann man es beinahe schon als Sensation bezeichnen, dass nun nach 136 Jahren das Königs-Schild von 1860 wieder aufgetaucht ist. Auch das Rätselraten über den Namen der seinerzeitigen Majestät hat jetzt ein Ende. Zwölf Jahre nach der Wiedergründung der Bopparder Schützenbruderschaft war Joseph Weich Schützenkönig in Boppard. Er errang die Würde am 22. Juli 1860.Dem interessierten Leser stellen sich nun zwei Fragen:
1. Unter welchen Umständen wurde das Schild wieder gefunden?
2. Warum war es damals nicht in den Besitz der Schützengesellschaft gelangt bzw. ging später verloren?

Die erste Frage kann genau beantwortet werden, bei der zweiten kann man nur Vermutungen anstellen. Frau Hilde Fischer, Witwe von Herrn Karl Fischer, hat der Bopparder Schützengesellschaft das Königsschild wiederbeschafft. Der Großvater von Frau Fischers verstorbenem Mann war Herr Nikolaus Fischer, geboren anno 1851. Er hatte im Hinterhaus Pützgasse 9 eine Werkstatt, über der sich ein kleiner Wohnraum befand. Beim Abriss dieses alten Gemäuers sollte ein uralter Schrank entsorgt werden. Dabei wurde eine Schublade geöffnet, die seit Jahrzehnten keiner mehr angefasst hatte. Darin fand man dann per Zufall ganz hinten in einer Ecke , völlig unansehnlich und verstaubt, das begehrte Objekt. Wie kam es damals in diese Schublade und blieb über hundert Jahre verschollen? Die Recherchenlassen folgende Vermutungen zu: Als die Regentschaft des Bopparder Schützenkönigs von 1860, Joseph Weich, zu Ende war, stiftete auch er sein Königsschild der Gesellschaft. Dieses wurde dann an das Königs-Bandelier angebracht und bis 1887 dort getragen. Im Jahre 1887 wurde obiger Nikolaus Fischer Schützenkönig in Boppard und trug selbstverständlich bei festlichen Anlässen das Bandelier. Das Schild des Ex-Königs Joseph Weich hing nun bereits 27 Jahre daran, und so war es nicht verwunderlich, dass die Halterungen sich zu lockern begannen (was übrigens jetzt noch zu erkennen ist). Nikolaus Fischer sicherte das Schild, damit es nicht verloren gehen sollte, legte es in besagte Schublade und wollte es bei einem Bopparder Silberschmied wieder befestigen lassen. Vermutlich wurde es aber dort vergessen. Die Bopparder Schützengesellschaft 1510/1848 dankt Frau Fischer recht herzlich, dass sie das Königs-Schild wieder in den Besitz der Gesellschaft zurückgeführt hat. Sie hat damit geholfen, dass ein Stück Vergangenheit wieder lebendig wurde und für spätere Generationen erhalten bleibt.